Was heißt
rassistische Gewalt?

- 10.Juli 2000 in
Hanau: frühmorgens um 6 Uhr wird die kurdische Familie aus dem Schlaf gerissen,
die Wohnung ist von Polizei umstellt. Die Ausländerbehörde Hanau hatte
eine überraschende Abschiebung angeordnet, obwohl ihr bekannt war, daß
die Frau der Familie psychisch krank und suizidgefährdet ist.

- 6.Mai 2000 im
Internierungslager am Frankfurter Flughafen: nach 238 Tagen Abschiebehaft nimmt
sich die aus Algerien geflohene Naimah Hadjar aus Verzweiflung und Angst vor
der Abschiebung das Leben.

- 28.Mai 1999, ebenfalls
am Frankfurter Flughafen: Aamir Ageeb, ein Flüchtling aus Sudan wird mit
aller Gewalt abgeschoben. Drei Bundesgrenzschutzbeamte haben ihn gefesselt,
pressen ihn im Flugzeug auf den Boden, bis Aamir Ageeb kein Lebenszeichen mehr
von sich gibt. Er ist erstickt.

Das waren nur drei
Beispiele einer gnadenlosen, oftmals tödlichen Abschiebepolitik, die in
Deutschland in den letzten 10 Jahren mehr Todesopfer gefordert hat als die rechte
Gewalt auf der Straße. Wer Flüchtlinge fragt, wird erfahren, daß
die meisten sich vom deutschen Staat, von den Behörden und der Polizei,
weitaus mehr bedroht sehen als von Nazis.
Kurdische Flüchtlinge aus Hanau haben vor einigen Monaten geschrieben:
“Wir wollen endlich wieder ruhig schlafen!” Es sind nicht die Nazis,
die sie in Alpträume jagen und morgens beim kleinsten Geräusch aufschrecken
lassen. Es ist vielmehr die Angst vor dem täglichen Abschiebeterror der
ordentlichen deutschen Behörden.

Das ist rassistische
Gewalt, die wir stoppen müssen!

(Redebeitrag
der antirassistischen Gruppe Für Freies Fluten aus Hanau auf einer Demo
gegen rechte Gewalt am 11.11.2000)