Mit Vollgas in die 90er
 

Die Winterpause ist vorbei – wir sind wieder da mit unserem 4. Basta-Info. Hier nun erst einmal: Wir über uns.
Schon öfter wurden wir gefragt, wer wir sind, von welcher Organisation oder gar Partei wir kommen. Wir gehören keiner Partei an und auch keiner kirchlichen oder sozialen Einrichtung. Wir waren oder sind zum Großteil selbst Sozialhilfeempfänger/innen. Wir kennen dieses Amt also aus eigener Erfahrung. Und diese Erfahrung sagt uns hier wie überall in dieser Gesellschaft: wir müssen unsere Interessen und Rechte gemeinsam in die eigenen Hände nehmen und uns selbstbestimmt (autonom) in Gruppen organisieren!
Wir trauen weder SPD, CDU, FDP, Grünen Parteivertretern und schon gar nicht den braunen Republikanern. Wir glauben nicht an kirchliche Vertröstungen, und wir verlassen uns auch auf keine „Sozialheinis”, die vorgeben, unser bestes zu wollen. Wir vertreten und helfen uns selbst, wir treffen uns häufig, tauschen Erfahrungen (nicht nur übers Sozialamt) aus.
Wir überlegen gemeinsam, wie wir uns Arbeitszwang und Konsumterror in den herrschenden Verhältnissen widersetzen können.
Wir sind gegen Ausländerhetze und Frauenunterdrückung. Wir wehren uns gegen die Bonzen und Konzerne, die uns hier vereinzeln und ausbeuten, die die Menschen in der sogenannten Dritten Welt aussaugen und aushungern. Dieselben Bonzen und Konzerne, die hier und in der ganzen Welt die Natur kaputtmachen. Wir wollen, daß Menschen selbstbestimmt nach ihren Interessen leben können.
Wir wollen die Selbstorganisation von Unten gegen Oben!(…)
Das ist unser „Programm” und auf dem Sozialamt wie in allen anderen Lebensbereichen wollen wir diese Idee verbreiten. (…)
Auf dem Weg zu diesem Ziel müssen wir erkennen, daß wir hier auf dem Sozialamtsflur alle in derselben oder ähnlichen Lage sind, ob alt oder jung, „Ausländer”, obdachlos, Familie oder alleinstehend. Keine Hautfarbe, keine noch so „fremdartige” Kultur, keine noch so unterschiedliche Lebensweise darf uns trennen bei der Suche nach denen, die an unserer Not verdienen und den Nutzen davon haben, daß es uns schlecht geht, und die uns gegeneinander aufhetzen.(…)
Zusammen könnten wir in Hanau einen Mietstreik organisieren, das Wohnungsamt „belagern”, und leerstehende Wohnungen und Häuser einfach besetzen. Vielleicht auch die reichen Gewinnemacher mal mit vielen Leuten in ihren Villen besuchen und nachsehen, wie die so „wohnen”. Das wären Möglichkeiten, um den Druck zu erzeugen, der sie zwingt, unseren Bedürfnissen nach menschenwürdigem Wohnen und Leben nachzugeben.
Und genau diesen Druck wollen bzw. müssen die Politiker verhindern mit ihrer Lügenpropaganda, mit der sie uns spalten und gegeneinander aufhetzen. Sie müssen immer die armen, vom Wohlstand ausgegrenzten und oppositionelle Bevölkerungsteile spalten, damit wir uns nicht gemeinsam gegen ihre Herrschaft wehren. Die „Sündenböcke” ändern sich im Laufe der Geschichte, die Politik der Spaltung bleibt die gleiche („Hexen”, „Zigeuner”, Juden, Kommunisten, „Ausländer”, „Chaoten” usw.).
Solange wir dieser Lügenpropaganda auf den Leim gehen, werden wir unsere Lage niemals verändern.
Nur wenn sich alle die Menschen, die an den Rand gedrängt und in Not gehalten werden, gegenseitig anerkennen und sich zu gemeinsamen Aktionen zusammentun, wird der Druck gegen Oben wirken.
Genauso ist es ja auch hier auf dem Sozialamt. Mit derselben Lügenpropaganda lenken sie unsere Wut von sich ab. Vom Sachbearbeiter erniedrigt und verarscht auf den Flur zu gehen und die Wut darüber gegen „Ausländer” zum Beispiel rauszuschreien, verletzt nicht nur ebendiese Menschen auf demselben Flur, sondern verhindert jeden gemeinsamen Kampf. Es ist ein Ausdruck erbärmlicher Ohnmacht! Kurz nach diesen dummen und verletztenden Aussprüchen kommt dann meistens noch: „Da kann man ja doch nix machen.” – Ganz klar!
Wer seine/ ihre Mitkämpfer nicht als solche wahrnimmt, oder sie sogar beschimpft, wird immer ein ohnmächtiger Giftzwerg bleiben, der zu feige ist, sich gegen Oben zu wehren und darum lieber gegen vermeintlich Schwächere hetzt.
Wir müssen uns, wie wir hier auf dem Soziflur stehen, gegenseitig akzeptieren und nicht beneiden, und wir müssen uns zusammentun und unsere Interessen gemeinsam durchsetzen.
Unsere Wut dürfen wir nicht auf unseresgleichen ablenken lassen, sondern sie muß zum Feuer werden unter dem Arsch der Macht!

BASTA!