BASTA!

Interview über ein Beratungs-Projekt

 

F: Erzähl am besten erstmal, was das Basta-Café eigentlich ist.

 

A: Das Basta-Café
gibt’s schon ne ganze zeitlang – seit 13 Jahren. Es ist ein Anlaufpunkt
und Beratungsort für Leute, die Probleme mit dem Sozialamt haben –
ursprünglich. Das sieht aber mittlerweile so aus, daß auch ganz viele
Flüchtlinge und Asylbewerber hinkommen, die ausländerrechtliche Probleme
haben oder Schwierigkeiten mit dem Asylverfahren. Und es gibt zwei Leute, die
sich um diese ausländerrechtlichen Fragen kümmern und diese Leute
beraten und ich bin derjenige, der die Beratung macht für Sozialhilfeempfänger,
d.h. für Leute, die Hilfe nach dem BSHG kriegen – dem Bundessozialhilfegesetz.

 

F: Was sind
das für Leute, die dort hinkommen und was sind die Probleme, die da an
dich herangetragen werden?

 

A: Das müßte
man insofern nochmal trennen, als das ich jetzt überwiegend von dem
erzähle, was ich da mache an Sozialhilfeberatung. Das sind Leute, die
kommen, weil das Sozialamt ihnen die Sozialhilfe gekürzt hat oder die
Mietzahlung verweigert oder nur Teile der Miete übernimmt. Das sind
Leute, die vom Sozialamt gezwungen werden zu arbeiten, unter Bedingungen,
die ihnen meistens nicht zumutbar sind. Es sind Leute, die kommen, weil
sie generelle Fragen haben, wenn sie nen Sozialhilfeantrag stellen und sich
vorher beraten wollen. Das ist allerdings ziemlich selten, daß Leute
präventiv kommen –ist aber meistens ganz sinnvoll. Naja, und
es kommen dann natürlich auch die Flüchtlinge zu mir, die Sozialhilfe
genauso kriegen wie die Deutschen,

d.h. nicht mehr nach
dem sogenannten Asylbewerberleistungsgesetz, sondern nach BSHG, und bei denen
fängt das so an, daß sie Bescheide nicht verstehen, weil sie auf Amtsdeutsch
geschrieben sind.

 

F: Gehn wir
doch nochmal zurück: erzähl mal was von der Idee des Basta-Cafés.
Wie hat das alles angefangen?

 

A: Es war in den
80er Jahren so, da war die Metzgerstraße gerade frisch besetzt – ´86
ist die besetzt worden – daß es einfach in der Szene, die sich da
so gebildet hatte ne Menge Leute gab, die Probleme hatten mit dem Sozialamt,
mit dem Arbeitsamt. Da gabs einfach mehr Leute als heute, die versucht haben
vom jobben zu leben, also außerhalb von regulären Lohnarbeitsverhältnissen,
als Honorarkraft oder aushilfsweise. Und wir hatten mit einer ganz kleinen Gruppe
von anfangs drei Leuten erstmal die Überlegung, nen Ort zu schaffen, an
dem wir unter uns Szene-Leuten reden, uns austauschen und uns vielleicht auch
ein bißchen näher kommen können über diese Problematiken,
die bei doch relativ vielen Leuten ähnlich waren. Und haben das –
nicht als Basta-Café, sondern als Erwerbslosen- und JobberInnen-Café,
wie das hieß – irgendwann ´88 auf die Beine gestellt. Das
sah ursprünglich so aus, daß das ganz zwanglos war. Wir hatten Frühstück
geholt, Tee und Kaffee und haben eigentlich ziemlich viel geklönt. Es kamen
auch immer ne Menge Leute vorbei und das hatte v.a. diesen Frühstücks-Effekt.
11 Uhr war auch ne Zeit, wo wir alle das Bedürfnis hatten zu frühstücken
damals. Und diese Beratungssachen liefen eher nebenbei und es waren auch meistens
Leute, die man eh schon kannte, weil sie irgendwie Szene waren, Leute die sowieso
öfters in die Metzger kamen. Das lief dann so ein bis eineinhalb Jahre.
Es gab aber immer in der linken autonomen Hanauer Szene auch ne größere
Diskussion darum – es war jetzt nicht so, daß wir das einfach so
zu dritt gemacht hätten.

Es war jedenfalls so, daß auch die Anzahl von Sozialhilfeempfängern
immer mehr wurde und daß es insgesamt ne Diskussion gab, sich zu dieser
sozialen Frage mehr zu verhalten. Wir wollten die Sozialhilfeberatung dann ein
bißchen professionalisieren und dann auch szeneübergreifend –
was wir schon immer so n bißchen beabsichtigt, aber nie was getan hatten
– in die Sozialämter gehen. Das hatten wir in der Kleingruppe nicht
hingekriegt, der Ansatz war wie gesagt auch ein bißchen lockerer. Es haben
dann ne Menge Leute Mitte/ Ende ´89 die Basta-Gruppe gegründet, die
vorhatte – und das auch jahrelang gemacht hat – ne politische Praxis
mit dieser Sozialhilfeberatung zu verbinden. Das sah so aus, daß wir regelmäßig
Zeitschriften gemacht und gedruckt haben, die wir auch im Sozialamt verteilt
haben – monatlich ursprünglich. Mit nem Beratungsteil innendrin,
der sich mit den aktuellen Fragen mit denen wir konfrontiert waren beschäftigt
hat, ansonsten aber auch mit einem längeren allgemein gehaltenen politischen
Teil. Wir haben gegen ziemliche Widerstände der Stadtverwaltung durchgesetzt,
daß die uns im Rathaus verteilen lassen. Sie hatten uns erst ne ganze
Zeit Hausverbote erteilt und dann rausgeworfen mit Polizeigewalt. Das hat sich
dann darüber geklärt, daß wir mit vielen Leuten aufgetaucht
sind und gesagt haben, wir gehen hier nicht. Daraufhin hat die Stadt das offiziell
erlaubt und die Anzeigen zurückgezogen und seitdem hatten wirs dann jahrelang
auf den Fluren verteilt.

 

F: Die
Leute, die sich in der Basta-Gruppe organisiert haben, waren das v.a.
selbst “Betroffene” sozusagen? Oder wart ihr nach dieser Ausweitung
dann eher einfach aus nem politischen Ansatz heraus an dem Thema dran?

A: Mit nem
politischen Ansatz alle eigentlich. Aber es waren auch Leute drunter,
die betroffen waren. Also es waren einige, die z.T. zeitweilig, z.T. auch
längerfristig von Sozialhilfe gelebt haben. Aber auch Studenten,
Leute die schon einige Zeit in regulären Arbeitsverhältnissen
steckten, aber fast ausschließlich Szene-Leute. Wir waren so um
die 15 in der Anfangszeit. Das Café selbst ist von nur nem

 

 

Teil dieser Leute
gemacht worden aber die ganze Gruppe hat sich regelmäßig getroffen,
um diese Zeitschrift herauszugeben und hat theoretisch diskutiert. Das Café
war daran angeschlossen und auch immer wieder so n Pool von Informationen, wo
es sich gebündelt hat. Die Kontakte zu den Sozialhilfeempfängern liefen
erstmal über das Verteilen der BASTA-Zeitschrift und dann auch zunehmend
übers Café.

 

F: War ne Offenheit
da von den Leuten, die beim Sozialamt so rumsaßen, sich damit zu beschäftigen,
was in den Heftchen steht und was ihr so wollt?

 

A: Ja, absolut.
Man kann natürlich immer sagen, wir konnten ja auch ganz konkret Hilfe
leisten in ganz vielen Fällen. Das war sicher das, was viele Leute angezogen
hat erstmal. Aber es gab auch ne Menge Leute, die dann regelmäßig
kamen, weil sie uns ganz nett fanden oder die Idee des Cafés, die dann
auch kamen unabhängig davon, daß man die jetzt im Sozi wieder getroffen
und angesprochen hat.

 

F: Kamen da
v.a. Leute die, sag ich mal ne „Dienstleistung” in Anspruch nehmen
wollten oder ist daraus mehr entstanden? Kamen die Leute auch miteinander ins
Gespräch oder wars mehr so, daß Leute da hinkamen, gewartet haben,
beraten wurden und wieder gegangen sind?

 

A: Anfangs wars
anders. Die Idee vom Café war ja nicht, daß man jetzt Einzelberatung
macht individuell für die Leute, die kommen. Sondern die Idee war natürlich,
daß man diskutiert – zwanglos beim Frühstücken. Daß
die Leute da auch feststellen: Probleme, die sie haben haben andere auch. Bei
bestimmten Maßnahmen -–Kürzungen, Arbeitszwang, solche Geschichten
– waren immer ne Menge Leute betroffen und konnten das oft in der individuellen
Situation mit den Sachbearbeitern nicht realisieren. Natürlich war der
Versuch des Cafés auch, da ein bißchen Bewußtsein zu schaffen
über diese Diskussion und vielleicht ein punktuell gemeinsames Interesse
zu entwickeln. Wir hatten auch was im Kopf, wie so nen Sozialhilfeempfänger-Rat,
der sich bildet, also Selbsthilfe. Initiative der Leute zu wecken, das war im
Prinzip die Absicht. Daher wollten wir auch nicht, daß im Café
eine Atmosphäre entsteht, die nur auf individuelle Beratungsgespräche
hinnausläuft. Es sei denn es hätten Leute nicht gewollt aus privaten
Gründen, manchmal sind ja auch Sachen äußerst persönlicher
Natur. Aber erstmal wars so, daß alles ziemlich offen beredet wurde, wenn
das Leute wollten – und die meisten Leute hatten damit kein Problem.

Wir waren auch noch sehr viel mehr Leute, die diese Beratung gemacht haben und
da war das auch zeitlich nicht so das Problem. Das würde so heute garnicht
mehr funktionieren in dem Café. Um den ersten Teil der Frage nochmal
zu beantworten, es gab natürlich auch ne Menge Leute, v.a. Flüchtlinge,
die kamen um Kontakt zu suchen. Wir hatten Leute kennengelernt aus den Wohnheimen,
die wenig Deutsch konnten, sich auf Englisch verständigt haben, die überhaupt
keinen Kontakt hatten zu Deutschen und das einfach interessant fanden, mitzukriegen,
was die Leute machen, die hier wohnen. Mit denen sie ja sonst nie was zu tun
hatten, eher verwahrt wurden, Arbeitsverbot hatten, da in den Heimen vor sich
hingelebt haben, dadurch nur mit Flüchtlingen Kontakt hatten – die
waren da äußerst interessiert. Es kamen dann einige von denen auch
in die Nachtcafés, z.T. auf Konzerte, in die Voküs. Da haben sich
dann auch persönliche Freundschaften, oder zumindest ein sehr viel näheres
kennenlernen, entwickelt. Und natürlich gabs auch von den deutschen „Stammkunden”
sag ich mal, Leute, die regelmäßig kamen. Es gab sogar einen, der
über die Kontakte im Sozialamt in die Gruppe reinkam und da mitgemacht
hat.

 

 

F: Aus diesem
Aufeinandertreffen von Leuten, die von einer gemeinsamen Sache betroffen waren
– sind da noch andere Geschichten resultiert, Aktionen, Veranstaltungen
etc.?

 

A: Nicht so, wie
wir uns das gewünscht hätten. Einmal gab es ein relativ eindeutiges
Verhalten von Leuten, als die Stadt zunehmend die Bullen holte, die uns rauswerfen
sollten aus den Sozialamtsfluren wegen des Zeitungsverteilens. Da haben sich
ne ganze Reihe von Leuten, die uns aber schon länger kannten, eingemischt
und empört und es war da so zugespitzt, daß auch der Polizei klar
war, daß sie um uns da rauszuholen ziemlich viele Bullen brauchen würden.
Und das haben die Leute da ziemlich mitgetragen. Wir hatten mehrere Monate,
nachdem dieses Basta-Café ins Leben gerufen wurde, weil wir den Eindruck
hatten, wir kennen mittlerweile auch ne Menge Leute, die da Interesse haben,
den Versuch gemacht zu Treffen einzuladen, die sich nicht auf der individuellen
Ebene mit den Problemen der Leute auf den Ämtern beschäftigen sollten,
sondern mit der Überlegung, wie wir dagegen zusammen was machen könnten.
Das hat nicht geklappt. Da kamen wenig Leute und das Bedürfnis über
die einzelnen konkreten Sachen zu reden war so im Vordergrund, daß das
nach einigen wenigen Versuchen eingeschlafen ist. Es war der Versuch so ne Art
Sozialhilferat für Hanau ins Leben zu rufen, den wir dringend nötig
gefunden hätten und wo wir auch dachten aufgrund der Probleme gäbs
ne Menge Leute, die das interessiert. Da kamen wir nicht weiter. Es ist aber
auch in unserer Gruppe immer strittig gewesen, ob wir nicht mehr hätten
probieren können. Es gab einige Leute, die nach einiger Zeit ein bißchen
resignierter waren und gesagt haben: die kommen, suchen sich ihre Sozialhilfeberatung
als Dienstleistung, finden das vielleicht ganz nett, vielleicht auch garnichts
weiter. Darüber hinaus entwickelt sich nichts. Andere hatten die Meinung,
daß wir nicht den langen Atem gehabt haben, dessen es bedurft hätte.

 

F: Also n bißchen
hör ich da schon: da ist auch was gescheitert.

 

A: Ja, unbedingt.
Natürlich ist das gescheitert. Ich glaub, daß wir damals nicht die
Vorstellung hatten, daß wir jetzt die Zeitung verteilen und mit den Leuten
diskutieren und innerhalb von ein paar Monaten tanzt da der Bär und die
Leute organisieren sich alle. Aber es gab schon die Vorstellung, daß sich
da zumindest langfristig ein Kreis von Leuten bildet, der auch versucht, seine
Interessen in die eigenen Hände zu nehmen und sich auf ner öffentlichen
Ebene auch zu wehren gegen das, was von den Ämtern aus mit ihnen gemacht
wird. Und da sind wir überhaupt nicht weitergekommen. Das haben wir einfach
nicht erreicht.

 

F:
Wie ging das dann weiter mit der Gruppe, also wie kam es von 15 Leuten,
was du eben gesagt hast auf einen so kleinen Haufen…

 

A: …geringfügig
verkleinert. Ein Problem, was sich immer durch die Gruppentreffen gezogen
hat, war, daß nur ein Teil der Leute, also die Hälfte oder
ein Drittel vielleicht immer in diesen Cafés präsent war.
Andere Leute hatten da nicht die Zeit dafür, steckten in Arbeitsverhältnissen
drin, daß es zeitlich nicht ging, oder die dadurch so geschlaucht
waren. Das andere ist, daß es ziemlich stressig ist. Weil viele
Leute

kommen, und du dann
so gebündelt mit echt massiven Problemen beschäftigt bist. Und es war
auch, weil das Café relativ schnell ganz gut besucht war, son bißchen
wie Akkord. Du sitzt noch da und redest mit jemandem und dann sitzen da schon
drei andere, die dich gespannt angucken und hoffen, daß es nicht mehr allzu
lang dauern möge. Die Situation im Café hat sich verändert. Je
mehr Leute kamen und je weniger das Café mitgemacht haben, umso größer
wurde der Arbeitsdruck. Wodurch das allgemeine reden, klönen zunehmend in
den Hintergrund gedrängt wurde. Mit den Jahren hatte sich das mit der Zeitung
totgelaufen. Die wurde zwar immer gern gelesen, wir hatten eine Auflage von mehreren
Hundert und die gingen großteils weg. Gelesen wurden die, aber dadurch,
daß man halt nicht weiterkam, ist der Elan allmählich abgeschlafft.
Die Problematik in der Gruppe, also zwischen den Leuten, die das Café gemacht
haben und denen, die nur an den Theorie-Treffen teilgenommen haben, hat sich dann
auch als ziemlicher Balanceakt entpuppt, weil die im Prinzip alles, was wir in
den Cafés gemacht haben nicht mitgekriegt haben. Was auch immer als Hintergrund
für die nächste Zeitung genommen wurde und für die theoretischen
Diskussionen der Ansatzpunkt war. Das hat natürlich bedeutet, daß die
Leute, die die Cafés gemacht haben einen ungeheuren Wissensvorsprung auf
die Dauer hatten und natürlich auch dementsprechend mehr geredet haben. Und
auch die Vorschläge mehr von denen kamen und das Leute, die nur an diesen
theoretischen Diskussionen teilgenommen haben oder diese Zeitungsarbeit machen
wollten, sich zunehmend in den Hintergrund haben drängen lassen. Das hat
dann auch Hierarchien geschaffen, bzw. bestehende Hierarchien in der Gruppe verschärft.
Es ging immer sehr viel um die Cafés in den Diskussionen und wenn ein erheblicher
Teil von Leuten da nicht mitreden kann, dann geht bei denen das Interesse natürlich
auch zurück. Das passiert immer wieder in politischen Gruppen, daß
solche Hierarchien da auf die Dauer ziemliche Probleme schaffen.

 

F: Gabs im Prinzip
irgendwann eine Auflösung dieser Gruppe? Ist aus bestimmten Gründen
gesagt worden, das ist nicht mehr der Punkt an dem wir Politik machen oder lief
das tröpfchenweise?

 

 

A: Ich hatte ja
angedeutet, daß das auf die Dauer nicht die oder zu wenig meßbare
Erfolge hatte. Diese Einschätzung hat sicher mit dazu beigetragen, daß
dann die Motivation irgendwann erlahmt ist. Erstmal sind die Leute, die an den
theoretischen Treffen teilgenommen hatten son bißchen abgebröckelt.
Das ging aber nach nem Jahr vielleicht schon los. Das hat aber die Effektivität
der Gruppe – klingt jetzt vielleicht komisch – eher nochmal befördert.
Mit weniger Leuten, die sowieso in der praktischen Arbeit dringesteckt haben,
ging das ne zeitlang noch ganz gut und weniger aufreibend. Es kamen auch andere
Sachen dazu: persönliche Zerwürfnisse oder Befindlichkeiten, die dazu
geführt haben, daß Leute aufgehört haben. Was man sofort gemerkt
hat war, wenn Leute aufgehört haben, die konkrete Beratungsarbeit gemacht
haben. Eine weitere wesentliche Rolle hat gespielt, daß es dadurch, daß
immer mehr Flüchtlinge kamen – irgendwann wars ein Großteil
der Leute – die Notwendigkeit gab, sich immer mehr mit Asyl- und Ausländerrecht
zu beschäftigen. Es hat sich ne Gruppe gebildet, die die Thematik aufgreifen
wollte, die AG3F. Das war nicht ganz zufällig auch ein ganzer Teil von
Leuten aus der Basta-Gruppe und das lief dann im Prinzip parallel. Die haben
dann noch ein weiteres Café aufgemacht, das ORF-Café (Organisation
für die Rechte der Flüchtlinge). Das war erstmal getrennt vom Basta-Café
- ne reine Flüchtlingsberatung und die gibt’s auch heute noch unter
dem Namen Flüchtlingscafé montags im Haus.

 

F: Anscheinend
findest du das Café ja immer noch sinnvoll, jedenfalls machst du
die Beratung immer noch. Wie ist das jetzt – gut? Schlecht?

A: Verändert
hat sich ja nicht nur das, was da passiert. Man verändert sich ja
auch selber über die Zeit. In der Anfangszeit oder auch noch ne ganze
Zeit später hätte ich vehement abgestritten, daß ich sowas
wie jetzt überhaupt mal machen würde. Wir haben in den Diskussionen
eigentlich immer gesagt, wir wollen keine Sozialarbeit. Wir wollten ja
sehr wohl mit Leuten diskutieren, Bewußtsein schaffen, agitieren,
ein bißchen hetzen, auch Aktionen machen, die kritisch sind –
öffentlichkeitswirksam. Auch andere Sozialhilfeempfänger oder
sonstige ausgegrenzte Leute irgendwie mobilisieren. Und sowas schaffen
wie ne Struktur, die es anderen Leuten ermöglicht, sich da einzuklinken.
Aber je weniger sich da etwas entwickelt, desto mehr kriegt man selbst
die Sichtweise die oft ähnlichen Probleme der Leute individuell zu
behandeln. Und diese Ausgrenzung, diese Verarsche vom Sozialamt und von
anderen Behörden… Ich find die nach wie vor sowas von empörend,
daß mich das

immer aufs neue motiviert.
Auch wenn die Beratungsarbeit in den Cafés selbst sich mit dieser Individualisierung
auch ein ganzes Stück entpolitisiert hat, sind die Cafés noch an politische
Initiativen angebunden. Deshalb hab ich nicht gesehen, warum ich jetzt damit aufhören
soll. Ich seh nicht ein, daß ich mit ner Sache, die ich prinzipiell für
richtig halte, aufhören soll, nur weil das wenig andere Leute interessiert.
Und für sinnvoll und bitter notwendig halte ich die hier gemachte Arbeit
allemal.