Anti-Atom

 Fahrrad-Demo nach Wolfgang und Kahl (1977)

 

Erstmal
ein paar allgemeine Informationen. Hanau stellt eine der Hochburgen
der deutschen Atomindustrie dar. Im Stadtteil Wolfgang befand sich bis
vor einigen Jahren das Zentrum der innerdeutschen Brennelementeproduktion.
Hier eine kurze Auflistung der dort angesiedelten Firmen:

 

Nukem:
Brennelementefabrikation (später Siemens-Uran)
Alkem: Plutoniumverarbeitung und Lagerung (später
Siemens-Plutonium)RBU: Brennelementeherstellung für Leichtwasserreaktoren

Transnuklear: Transporte bestrahlter Stoffe, auch Plutonium
und hochgradiges Uran

Nukleare Transportleistungen GmbH: Transporte von Brennelementen
zur Wiederaufbereitung ins Ausland

HOBEG: Herstellung von Kugelbrennelementen

 

Im bayrischen Karlstein hatte sich ein zweites atomares Zentrum etabliert. Dort
entstand schon 1958-1960 ein Versuchsreaktor zur Erprobung von Brennelementen
und dem Bau von AKWs.

Bürgerlicher
Widerstand existierte zunächst fast garnicht. 1977 gründete sich die
IUH (Initiativgruppe Umweltschutz Hanau) aus der um 1980 herum Leute mit radikaleren
Positionen, die man dem späteren Metzgerstrassenumfeld zurechnen kann,
ausgestiegen sind. Erst 1981 fand die erste gössere Demonstration in Hanau
statt. Aber schon Ende der 70er hatte es erste Proteste gegeben (siehe Bild).

Jetzt aber zur Metzgerstrasse.
Die Anti-Atombewegung hat für die Metzgerstrasse eine besondere Bedeutung,
denn über die Anti-Atombewegung haben sich viele Leute kennengelernt, was
wiederum das Bedürfnis ein Zentrum zu schaffen vergrösserte. Verschiedene
Leute fuhren zum Beispiel regelmäßig gemeinsam nach Wackersdorf.
Mensch kann also sagen, daß die Anti-Atombewegung als ein Faktor mit zur
Besetzung der Metzgerstrasse entscheidend beigetragen hat.

Ein entscheidendes Ereignis im Vorfeld der Besetzung der Metzgerstrasse stellte
die bundesweite Grossdemonstration am 8.11.86 mit 15.000 – 20.000 Leuten dar.
Diese Demonstration wurde von einem breiten Bündnis getragen, sämtliche
Spektren von Grünen, der Friedensbewegung bis zu autonomen Gruppen hatten
den Aufruf unterzeichnet. Bis zu ihrem Abschluss am Gelände der Hanauer
Atombetriebe verlief die Demo friedlich, im Anschluss kam es zu einer Scherbendemonstration,
bei der viele Fenster des Degussa-Gebäudes und viele Geschäfte der
Innenstadt entglast wurden. Die Folge davon war zunächst ein Ausschluss
der Autonomen aus allen weiteren Bündnissen. In der Auseinandersetzung
innerhalb der Szene gab es unterschiedliche Positionen zu den Ereignissen, doch
mensch kam zu dem Schluss, dass einem die verantwortlichen Leute wichtiger sind
als die Leute die sich darüber brüskieren (siehe Einschätzungen
aus radikal und zornig auf der nächsten Seite). Vor allem ist auch nocheinmal
die radikalere inhaltliche Positon zu betonen, die nicht nur ökologische
Aspekte berücksichtigt, sondern die Kritik auch auf militärische und
ökonomische Faktoren bezieht.

Aus dem Redebeitrag
zur Demo:

„Anstatt sich durch Herumdoktern an Symptomen zu verschleißen,
muß sich der Widerstand gegen das System richten und Imperialismus, Rassismus
und Sexismus angreifen. Für uns heißt das, daß wir immer wieder
Initiativen gegen die konkreten Projekte des Systems ergreifen, um eine revolutionäre
Bewegung mit antiimperialistischen und sozialrevolutionären Linien hier
in der BRD voranzutreiben.

Die Wut in unseren Herzen wird zum Feuer in den Fabriken, Palästen und
Wohlstandsinseln des Imperialismus.“

Im weiteren Verlauf
hat sich regional sehr wenig getan, mensch hat für überregionalen
Sachen mobilisiert und mitgemacht und sich hessenweit koordiniert.

Es hat sich eingespielt, dass immer einige Leute zu den Castortransporten fahren.

In Hanau ist zu den aktuellen Transporten von Plutonium aus Schottland nach
Wolfgang zum Beispiel nichts gelaufen. Beim letzten der vier Transporte standen
lediglich eine Handvoll Leute aus dem bürgerlichen Spektrum mit Transparenten
vor dem Tor.