Die erste offizielle Antifa-Gruppe
wurde in Hanau 1993 gegründet. Nach der Wende wurde eine kontinuierliche
Antifa Arbeit immer notwendiger. Zwar befaßten sich Teile der autonomen
Szene Ende der 80er Jahre schon mit dem aufkeimenden Neofaschismus in der BRD,
doch standen weitestgehend andere Themen im Vordergrund wie z.B. Anti-AKW oder
Häuserkampf.

Im Rhein-Main Gebiet spielten
außerdem die Ermittlungen nach den Schüssen an der Startbahn West
eine wichtige Rolle. Im Zuge der schlagartig einsetzenden Repression wuchs der
Bedarf an Aufklärung im Umgang mit der Polizei bzw. Justiz. Aus diesem
Grund startete 1988 eine Kampagne zur Aussageverweigerung (Anna und Arthur halten’s
Maul!), die sich auf das gesamte Bundesgebiet ausdehnte. Diese und andere Themen
mußten zunächst hinter den „Deutschland einig Vaterland“
und „wir sind ein Volk“ Rufen der Wiedervereinigung und dem neuen
gesamtdeutschen Nationalismus zurückstehen, der seinen vorläufigen
Höhepunkt in den Pogromen von Hoyerswerda und Rostock fand. Neofaschismus
wurde zunehmend zu einem der dominierenden Themen der autonomen Linken. Um eine
praktische Gegenwehr gegen die zunehmneden Angriffe auf MigrantInnen und deren
Unterbringungen zu organisieren, erfolgte eine regionale und bundesweite Vernetzung
der einzelnen Antifa- Gruppen und Zusammenhänge. Im Rhein-Main Gebiet geschieht
dies u.a. durch die Einrichtung des antirassistischen und antifaschistischen
Notruf und -Infotelefons,an dem autonome und bürgerliche Gruppen beteiligt
waren. Die Nummer wurde weit verbreitet, damit Betroffene Vorfälle schnell
melden und die alarmierten Gruppen schnell agieren bzw. reagieren konnten. In
einer Selbstdarstellung des Infotelefons vom November 1992 heißt es: „Wir
haben uns vorgenommen, dem Rassismus an jedem Ort entgegenzutreten, sowohl in
den Behörden, als auch auf der Straße. So lösen wir Alarme aus,
wenn wir darüber informiert werden,dass Flüchtlinge und ihre Unterkünfte
bedroht werden. Wir wollen aber genauso auch Treffen und Ansammlungen von Faschisten
verhindern. Wir rufen zu öffentlichen antirassistischen Kundgebungen, Mahnwachen
und Demonstrationen auf, und organisieren antifaschistische Präsenz durch
Plakate, Presseerklärungen oder Flugblätter.“

Im Dezember 1993 erregte
die neonazistische Broschüre „Einblick“ großes Aufsehen
in den Medien und Reaktionsbedarf in der autonomen Linken. Faschos hatten hier
250 Namen und Adressen von Personen abgedruckt, die gegen Rassismus und Faschismus
Stellung bezogen hatten. Diese Fahndungsliste der Faschos erlangte eine neue
Stufe im Vorgehen gegen politische Gegner.Es wurde klar, dass man die regionale
Faschoszene nicht aus den Augen verlieren durfte.
Von vornherein war man sich bewußt, daß das Infotelefon, das bis
1995 existierte, nur ein kleiner Baustein im Kampf gegen den Faschismus sein
kann. So bekamen die Antifas auch in Hanau immer öfter den Vorwurf der
„Feuerwehrpolitik“ zu hören („Wo’s brennt, da fahrt
ihr hin…“)

Dieses Problem
wurde auch überregional diskutiert. In einem bundesweiten Zusammenhang
rief man die Kampagne Aktion 94 ins Leben, an der sich auch die Hanauer
Antifa-Gruppe beteiligte. Das Ziel war es nicht nur den geplanten Rudolf
Heß-Gedenkmarsch in Wunsiedel zu verhindern, zu dem sich jährlich
an die tausend Neonazis trafen, sondern durch dezentrale Öffentlichkeitsarbeit
in der Bevölkerung ein Bewußtsein für die, von solch großen
Naziveranstaltungen ausgehenden Gefahren zu schaffen. In der Metzgerstraße
fanden im Rahmen der Kampagne mehrere Veranstaltungen statt. Beispielsweise
„Frauen in der rechten Szene“, „Entstehungen der Faschomusik“,
„AntiAntifa“ sowie eine Veranstaltung mit Dresdner Antifas zur
Situation im Osten. Außerdem wurden

Ausstellungen zu verschiedenen
Themen konzipiert, die in Rhein-Main untereinander ausgetauscht wurden.

Natürlich gab
es auch weiterhin Aktionen, die direkt auf die regionale Naziszene zielten.
So gingen von der Antifagruppe auch mehrere Outingaktionen aus, die Nachbarn
und Mitbürger von faschistischen Drahtziehern auf deren Schaffen aufmerksam
machten. In diesem Zusammenhang wird am 13.8.94 das Haus des GdNF-Kaders (Kreis
um Michael Kühnen und Christian Worch) und ex-REP-Vorsitzenden Claus zur
Lienen von etwa 30 Antifas blockiert, um ihn an der Fahrt nach Wunsiedel zu
hindern.

In Hanau ist zu
dieser Zeit, wie in vielen anderen Städten auch, ein ziemliches Altersloch
entstanden. Leute unter 20 blieben weitestgehend aus. Aus diesem Grund wird
das Antifacafé eingerichtet. Das erste Antifacafé war nicht nur
gut, sondern auch „prominent“ besucht. Die bereits als Nazispitzel
enttarnte Inger Preßmar konnte identifiziert und des Hauses verwiesen
werden. Das Antifacafé ist bis heute nicht tot zu kriegen. Auf sein Konto
gehen etliche Filmabende und Veranstaltungen sowie nahezu unendlich viele fröstelnde
Stunden am wöchentlichen Infotisch auf dem Hanauer Marktplatz. Außerdem
lief eine Reihe von Kioskblockaden, da einige Hanauer Kioskbetreiber es für
ganz normal hielten Nazizeitungen zu verscherbeln. Auch ein neuer Vernetzungsversuch
wurde gemacht. Das „Rhein-Main-Neckar-Jugend-Plenum“, an dem mehrere
Städte und Gruppen beteiligt waren, ist inzwischen wieder eingeschlafen.
Die Aktionen, die von den Hanauer Antifazusammenhängen mitgetragen wurden,
wie beispielsweise die Blockade zweier REP-Parteitage, zielen früher wie
heute jedoch nicht nur auf ausgewiesene Nazis, sondern auch auf Rechtspopulisten
wie Kanther und Koch, die in Hanau kaum eine Veranstaltung ungestört durchziehen
konnten und können werden. Zu verschiedenen Anlässen formierte sich
in Hanau das „Bündnis gegen rechts”, das sich aus Gewerkschaften,
Grünen Schülervertretungen Migrantengruppen und anderen politischen
Gruppen und Einzelpersonen zusammensetzt. So auch zum anstehenden REP-Landesparteitag
im März 98. Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Gruppen gehörten
Streitigkeiten um gemeinsame Inhalte und vor allem Aktionsformen zum wöchentlichen
Treffen dazu. Die Stimmung uns gegenüber war von Mißtrauen geprägt,
daß sich auf frühere Erfahrungen in Bündnissen zum Beispiel
mit Aktionen gegen „Conny’s Hard `n`Havy Palace“ in Erlensee
bezog.

Trotzdem entschied
man sich die Steinheimer Kulturhalle am Vortag gemeinsam anzumieten und zu besetzten
um den REPs am nächsten Tag den Zugang zur Halle zu verwehren. Für
den Abend wurde ein gemeinsames Kulturprogramm erstellt. Unteranderem spielte
auch die allseits bekannte Hauskappelle Strixumalz. Die unterschiedlichen Standpunkte
vor allem zur „Militanzfrage“ bestimmten den weiteren Verlauf der
Nacht. Nach langem Hin und Her entschlossen wir uns durch einen Mehrheitsentscheid
(einen Konsens gab es dafür nicht!) die Halle, unter der Bedingung, daß
die Bullen keine Personalien aufnehmen würden, freiwillig zu räumen.
Trotzdem fand in dieser Halle keine REP-Veranstalltung mehr statt, da diese
durch Wasserschäden und Buttersäuregestank unbrauchbar gemacht worden
war. Die am nächsten Tag angegangene Blockade der Ersatzhalle ist leider
gescheitert. Die Aktion ist trotzdem als Erfolg zu verbuchen. Der Parteitag
später als geplant und der immense Sachschaden war der Grund warum die
Stadt beim nächsten geplanten Bundes-Parteitag eine enorm hohe Kaution
forderte. Dadurch konnte also auch dieser REP-Parteitag nicht in Hanau stattfinden.

Das Antifacafé
(jeden Freitag ab 17h) ist weiterhin ein guter Treffpunkt zum Diskutieren und
zum Vorbereiten von Aktionen und Veranstaltungen, nicht nur zu antifaschistischen
Themen. InteressentInnen sind nach wie vor herzlichst willkommen!